Gewürze sind Bestandteile von Heilpflanzen

Als Gewürze werden die Bestandteile von Pflanzen für diesen Beitrag verstanden, die wir in unsere rohen wie gegarten Speisen und Getränke geben. In der Tabelle sind einige von ihnen je nach Pflanzenteil geordnet:

Pflanzenteil

Gewürz

Samen

Fenchel, Anis, Kümmel, Koriander, Kardamom, Dill, Kreuzkümmel (Cumin), Wacholder, Kubebenpfeffer, Tonkabohne, Senf, Muskatnuss, Piment, Macis (Samenmantel der Muskatnuss) und Pfeffer

Baumrinde

Echter oder Ceylon-Zimt, indonesischer Zimt und vietnamesischer Zimt

Frucht

Chili, Vanille (fermentiert) und Paprika

Narbe der Blüte

Safran

Blüte

Beifuß, Kapuzinerkresse, Veilchen und Lavendel

Blütenknospe

Nelke

Kraut bzw. Blätter

Rosmarin, Salbei, Majoran, Lorbeer, Oregano, Ysop, Thymian, Minze, Bohnenkraut, Zitronenmelisse und Basilikum

Lauchblätter

Zwiebel, Bärlauch, Schnittlauch und Wunder-Lauch

Zwiebel

Knoblauch und Zwiebel

Wurzel

Galgant, Ingwer, Meerrettich, Angelikawurz, Bertram, Süßholz, Kalmus und Kurkuma

Kraut und Wurzel

Petersilie und Sellerie

Kraut und Samen

Dill, Koriander und Fenchel

Blätter des Meerettich

Gewürze Meerettichblätter

Verwendung von Gewürzen

Sie können frisch und getrocknet verwendet, im rohen Zustand verspeist oder mitgekocht werden. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie heilend wirken, denn sie sind nützliche Ingredienzien von Heilpflanzen.

Frische Bärlauchblätter

Gewürze Bärlauch

Die 1. Aufgabe von Gewürzen ist, Nahrung verdaulich zu machen

Der vordergründigste Verdienst von ihnen ist, Essen und Getränke verdaulich zu machen. Dieser Aspekt scheint in der heutigen Zeit fast gänzlich vergessen. Dabei ist diese Funktion gerade jetzt dringend notwendig. Bei jeder Nahrungszufuhr muß der Körper die Inhaltsstoffe aufschließen und den Organsystemen in einer verwertbaren Form über das Blut zuführen, damit sie uns mit allem Notwendigen versorgen können. Die restlichen Stoffe, die der Körper nicht gebrauchen kann oder die ihn sogar schädigen, müssen erkannt und zuverlässig ausgeschieden werden. Nach dem Motto „die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“. Umso weniger Toxine und überflüssige Inhalte im Körper verbleiben, um so weniger sind das Blut und im weiteren Verlauf Organe, Gefäße usw. belastet. Genau dafür sind die Gewürze eine große Hilfe. Sie enthalten in erster Linie ätherisches Öl, oft Harze, ziemlich häufig Bitterstoffe, fettes Öl, Stärke, Flavonoide u.a. Antioxidantien, Farbstoffe, Gerbstoffe, Cumarin, Vitamine, Mineralien usw., die das Aroma und die Heilwirkung der Gewürze bestimmen. Sie regen die Verdauungsdrüsen an, die Ausscheidungsorgane, insbesondere die Leber und Nieren, werden aktiviert, sie steigern die Resorption von Eisen und Spurenelementen, überhaupt die Aufnahme im Darm wird verbessert. Gerade nach schwerer Krankheit nicht unerheblich, fördern sie ebenso den Appetit. Durch die Belebung der Leberfunktion, inkl. das Bilden und Ausschütten der Galle, wird die Fettverdauung ermöglicht bzw. optimiert.


Heilpflanzen- und Wildkräuter-Webinare

Dr. Kristin Peters ist unsere Referentin für die Heilpflanzen- und Wildkräuter-Webinare in unserer Online-Gartenakademie.

Die 2. Aufgabe der Gewürze ist, die Unterstützung des Wärmehaushaltes

Ein zweite wichtige Aufgabe von Gewürzen ist die Unterstützung des Wärmehaushalts. In den östlichen Heiltraditionen, wie Ayurveda oder die Traditionelle Chinesische Medizin, wird viel wertgelegt auf einen gut temperierten Verdauungstrakt. Von dort beginnend, breitet sich eine angenehme Wärme im ganzen Körper aus. In unserer Kultur wurde diese Funktion von Zutaten durch Hildegard von Bingen erkannt und konsequent umgesetzt. Deshalb lassen Sie sich ruhig von den hildegardschen und asiatischen Gewürzen inspirieren. Menschen, die zum Frösteln neigen oder die durch Krankheit vermehrt frieren, können mit aromatischen Pflanzenteilen und warmer Nahrung wohltuende Wärme vermitteln. Vor allem einheizend sind Beifuß, Ingwer, Zimt, Rosmarin, Pfeffer, Chili, Knoblauch und Nelke. Und jene Kräuter, die schmeckbar Bitterstoffe enthalten, wie Angelikawurz und Salbei.

Gewürze Ingwer

So wirken Gewürze auf weitere Körperfunktionen

Interessant ist, dass Gewürze noch weitere Körperfunktionen unterstützen und so erheblich zur Gesundheit beitragen können. Der gesamte Stoffwechsel profitiert von Ihren Effekten und das Hautbild verbessert sich. Hildegard von Bingen empfahl Thymian häufig beim Würzen einzusetzen, wenn Hauterkrankungen vorliegen. Sie aktivieren des Weiteren das Immunsystem, u.a. dadurch, dass sie eine gesunde Darmflora fördern. Selbst das Herz wird von etlichen aromatischen Zutaten tonisiert. Speziell Kräuter mit Bitterstoffen nehmen Einfluss auf die Abwehr und das Herz. Einige von ihnen helfen Entzündungen im Körper zu vermeiden bzw. zu mindern. Kurkuma, auch als Gelbwurz bekannt, ist dafür ein Beispiel. Diverse Gewürze werden seit langem als Vorbeugungs- und Heilmittel auch bei Tumorerkrankungen geschätzt, z.B. Beifuß, Zwiebel, Knoblauch, Bärlauch, Wunder-Lauch, Angelikawurz und Kurkuma.

Beifuss

Gewürze Beifuß

Gewürze machen Essen zu einem sinnlichen Erlebnis

Schließlich und endlich bieten aromatisierende Zusätze einen unnachahmlichen Geschmack und machen das Essen und Trinken zu einem sinnlichen Erlebnis, das mehr als das Stillen von Hunger bedeutet. Würzen bereitet Freude und ist ein kreativer Prozess. Die Geschmacksträger helfen uns Sättigung sowie Befriedigung zu empfinden und unterstützen Achtsamkeit und Glücksgefühle.

Gewürze verschiedene

Wie würzen?

Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass es nicht notwendig ist, Gewürze aus einer Mahlzeit herauszuschmecken. Ich liebe das Aroma von Muskatnuss und mag frisch geriebene Muskatnuss im Kartoffelbrei. Bei diesem Gericht möchte ich, dass dieses entzündungshemmende, aufhellende und aktivierende Nervenheilmittel deutlich spürbar wird. Koche ich eine wärmende, stärkende und reinigende Hühnersuppe in der Erkältungszeit, verwende ich Angelikawurz, Beifuß, Kalmus, Rosmarin, Galgant, usw. Dabei lege ich dagegen keinen Wert darauf, sie nachdrücklich wahrzunehmen, nutze aber die wohltuenden Eigenschaften dieser Kräuter. Seit einigen Jahren setzt die beliebte „Goldene Milch“ bei uns in Europa ihren Siegeszug fort. Es ist ein Rezept aus dem Ayurveda und verarbeitet Kurkuma, Ingwer, Muskatnuss, Zimt und schwarzen Pfeffer mit Mandelmilch und etwas Kokosöl zu einem leckeren und gelbgold aussehenden Gesundheitstrank. Er wirkt belebend, reinigend, entzündungshemmend, lindert Erkältungsbeschwerden und hilft u.a. bei Völle. Bei ihm sind starke Aromen im Vordergrund.

Muskatnüsse

Gewürze_Muskatnuss

Vom allgemeinen Umgang mit Gewwürzen

Sie sehen schon, Würzen ist ein sehr individuelles Geschehen und unterliegt nur wenigen Regeln. Die meisten Gewürze entwickeln ihre volle Bandbreite an Fähigkeiten erst durch das Mitgaren oder zumindest durch den Einfluss von Hitze. Einige allerdings verlieren rasch ihr wertvolles Aroma und werden daher hauptsächlich im rohen Zustand genutzt, wie Basilikum, Kapuzinerkresseblüten, Schnittlauch oder Kresse. Bei manchen ist beides möglich, der Einsatz als rohe wie gegarte Würze, beispielsweise bei Fenchel, Kalmus, Kümmel, Koriander, Zwiebel, Knoblauch oder Anis. Da ätherische Öle flüchtig sind, werden Ihre Vorräte im Küchenregal besser zügig verbraucht und möglichst nicht gemahlen gekauft. Die Samen von Fenchel, Anis, Koriander, Kubebenpfeffer, Kümmel, Dill, Wacholder, Pfeffer, Piment, usw. sollten nicht im Ganzen an Essen oder Getränke getan werden, sondern mit dem Mörser zerstoßen oder in der Mühle kurz gemahlen werden. Ingwer, Kurkuma, Tonkabohne und Muskatnuss werden optimalerweise frisch gerieben.

Gewürze_Gebäck mit Kümmel

Spezielle Speisen und Getränke, wie die oben erwähnte Hühnersuppe und die Goldene Milch, sind köstlich, obwohl sie eigentlich mehr Heilmittel als Nahrung darstellen.

Getreu dem Rat von Hippokrates von Kós „Lasst Eure Heilmittel Nahrungsmittel sein und eure Nahrungsmittel Heilmittel.“

Das wird wesentlich leichter mit Gewürzen. Gern bei jeder Mahlzeit als sinnliche und heilsame Unterstützung. Guten Appetit!

 

Dr. Kristin Peters

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